Wenn ich auf diesen Chortag zurückblicke, fällt es mir schwer, einzelne Momente herauszugreifen. Dafür war der Tag in seiner Gesamtheit einfach zu besonders.
Von Anfang an hat mich dieser Tag mitten ins Herz getroffen. Es war beinahe anstrengend, all die aufkommenden Emotionen zu sortieren und zu verarbeiten. Die Herzlichkeit, die Offenheit und die charmante Hingabe, mit der Daniela, Karin, Anna-Lena und David den Chor durch die Proben und Aufführungen geführt haben, waren für mich etwas ganz Besonderes. Mit viel musikalischem Gespür und einer großen Portion Herz ist aus den vielen Stimmen ein gemeinsamer Klang entstanden, der weit über die einzelnen Töne hinausging.
Natürlich wurde gearbeitet, geprobt und an den Liedern gefeilt. Aber es ging eben nicht darum, jeden falschen Ton auszumerzen. Es ging darum, miteinander Musik zu machen, sich gegenseitig zu erreichen und das Herz sprechen zu lassen. Genau das war für mich den ganzen Tag über spürbar. Das Motto „Wer da will, der komme“ war nicht einfach nur eine Überschrift, sondern wurde gelebt. Und der kleine Spiegel mit der Aufschrift „Du bist wertvoll“, den alle zu Beginn geschenkt bekamen, brachte auf den Punkt, worum es eigentlich ging.
Für mich war es spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Herangehensweisen in den einzelnen Proben waren und wie sie doch alle zum gleichen Ziel führten. Jede und jeder aus dem Dirigententeam brachte dabei die eigene Art und musikalische Handschrift ein. Gerade diese Vielfalt hat für mich einen besonderen Reiz ausgemacht und dazu beigetragen, dass am Ende ein stimmiges musikalisches Gesamtbild entstand.
Besonders bewegt hat mich auch der abschließende Gottesdienst. Man spürte sofort, wie sorgfältig das vorgegebene Bibelwort und die darauf aufbauende Predigt vorbereitet und theologisch durchdacht waren. Die Verknüpfung mit dem Motto des Chortages „Wer da will, der komme“ war überzeugend und gab wertvolle Impulse zum Weiterdenken. Und trotz aller theologischen Tiefe stand eines immer im Mittelpunkt: das Herz. Die Botschaft, dass Gott uns liebt – und den anderen genauso, ganz gleich, wie wir selbst oder der andere sind und wie chaotisch die Welt auch sein mag –, war nicht nur Thema, sondern wurde auf eine sehr persönliche und herzliche Weise erfahrbar.
Am Ende des Tages war ich dann doch ziemlich platt. Schließlich hatte ich fast jedes Stück am Klavier begleitet und zusätzlich selbst zwei Stücke mit dem Chor einstudiert. Und doch war da neben aller Erschöpfung so viel, was mich innerlich bewegt und erfüllt hat, dass ich diesen Tag am liebsten noch ein wenig festhalten würde. Einen einzelnen musikalischen Höhepunkt kann ich nicht benennen. Der Tag selbst war mein Höhepunkt.
Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, ging es nach Feierabend und einem wohlverdienten Bier mit einigen Teilnehmenden noch einmal zurück ans Klavier. Es wurde weitergesungen, als wäre der Tag musikalisch einfach noch nicht zu Ende erzählt.
Was für mich bleibt, ist das Gefühl, willkommen gewesen zu sein. In einer Gemeinde, die nicht zuerst fragt, wer jemand ist, woher er kommt oder was er mitbringt, sondern in der Menschen einfach da sein dürfen. So, wie sie sind. Eine Gemeinde, in der das Motto „Wer da will, der komme“ nicht nur gesagt, sondern spürbar wird.
Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Tages: Gott liebt dich. Und den anderen auch. Und wenn wir gemeinsam singen, können wir manchmal ein kleines Stück davon hörbar und fühlbar machen.
Von Tobias, Gastdirigent und Pianist
Dein Celler Dirigenten-Team sagt dir, lieber Tobias, von Herzen Dank. Du bist wertvoll!
Neuapostolische Kirche